
3 Fragen an ...
Pater Christophorus Goedereis, Provinzialminister der Deutschen Kapuzinerprovinz
„Spiritualität und Management“ ist der Ansatz des IKMS. Pater Christophorus ist erster Provinzialminister der 2010 neu gegründeten Deutschen Kapuzinerprovinz und nimmt im Rahmen von "3 Fragen an ..." zur Arbeit des IKMS Stellung.
Als Provinzial der neu gegründeten Deutschen Kapuzinerprovinz haben Sie es derzeit mit Prozessen zu tun, die auch dem Management zuzuschreiben sind. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation des Ordens: welche Impulse können Sie aus dem Ansatz „Spiritualität und Management“ ziehen?
Die Situation des Ordenslebens in unseren Breitengraden befindet sich zurzeit in rasanten Umbrüchen. Schwindende Mitgliederzahlen, steigendes Durchschnittsalter, Neuorientierung des gesamten kirchlichen Lebens in der säkularen postmodernen Gesellschaft sind nur einige Stichworte, um dies zu charakterisieren. Wer heute in einer Ordensgemeinschaft Leitungsverantwortung trägt, muss sich daher eben auch mit Zahlen, Strukturen und Systemfragen auseinandersetzen. Da wir dies nicht als Profit-Unternehmen sondern als geistliche Menschen tun, stellt sich die Herausforderung des Miteinanders von Spiritualität und Management sozusagen automatisch. Konkrete Impulse könnten sein:
• Die Lektüre von Managementliteratur oder Bücher über Organisationsentwicklung sollten für jemand, der in der Kirche Leitungsverantwortung trägt, ebenso selbstverständlich sein wie die geistliche Lesung.
• Die von Jesus geforderte stetige Umkehr des Menschen, lässt sich durchaus auch auf Strukturen und Systeme übertragen.
• Für Profit-Unternehmen kann es heute manchmal wichtig sein, sich spirituelle Hilfe ins Haus zu holen. Umgekehrt könnte für kirchliche Einrichtungen und Ordensgemeinschaften gelten, Manager mit ins Boot zu holen, die auf Prozesse der Organisationsentwicklung (und nicht zuletzt auf Finanz- und Rechtsfragen) ein anderes Augenmerk haben.
„Spiritualität und Management“ ist eine zentrale Kompetenz der Kapuziner!" Wie bewerten Sie diese Aussage?
Zunächst einmal lässt mich diese Aussage stutzen und denken: Moment mal, wenn das auf einen Orden zutrifft, dann doch am ehesten auf die Benediktiner - schließlich ziehen die mit der Regula Benedicti als europäischem Kulturgut durch die Vorstände und Personalabteilungen deutscher Unternehmen, um die Verbindung von Spiritualität und Unternehmensführung deutlich zu machen. Je länger ich jedoch über den Satz nachdenke, um so mehr gelange ich zu der Erkenntnis: was für die Benedikt-Regel gilt, trifft in gleicher Weise auch auf Franziskus und seine Bewegung zu. Franz von Assisi hat im Vergleich zu Benedikt von Nursia eine ganze neue Form von Ordensleben angestoßen: von der Stabilität zur Mobilität, und das weltweit. Und er hat sogar gleich noch die Strukturen mitgeliefert: global unterwegs, regional organisiert, demokratisch verfasst und alle Leitungsaufgaben zeitlich befristet (und das im 13. Jahrhundert!). Die Benedikt-Regel und die Franziuskus-Regel könnten sich in gewisser Weise sogar gut ergänzen, auch für moderne Unternehmensfragen in heutiger Zeit. Daher, je länger ich darüber nachdenke: Ja, Spiritualität und Management gehören zumindest auch(!) zu den zentralen Kompetenzen der Kapuziner.
Welche Chancen sehen Sie für den Ansatz „Spiritualität und Management“ im Zuge der aktuellen Entwicklungen in Kirche und Orden aber auch bei Unternehmen?
Ich bin davon überzeugt, dass Kirche, Spiritualität und Management sich einiges zu sagen haben und voneinander lernen können. Wie kann das geschehen bzw. intensiviert werden?
• Wir brauchen mehr Dialogfelder zwischen den genannten Bereichen, bspw. bei Symposien, Tagungen und Workshops.
• Wir brauchen eine interdisziplinäre, auch universitäre, Auseinandersetzung zu den Themen Kirche, Spiritualität und Management.
• Wir brauchen interdisziplinäre Publikationen und nicht nur fromme Büchlein, die dem Manager sagen, dass er menschlich bleiben soll und eine innere Ausrichtung braucht.
• Wir brauchen mehr Austausch zwischen spirituellen Begleitern, Unternehmensberatern und Coaches aus den unterschiedlichsten Bereichen des wirtschaftlichen Lebens sowie der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung.
• Kirche und Orden sollten sich an den biblischen Satz erinnern: "Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes."
• Die freie Wirtschaft sollte sich den biblischen Satz: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" zu eigen machen.
Als Provinzial der neu gegründeten Deutschen Kapuzinerprovinz haben Sie es derzeit mit Prozessen zu tun, die auch dem Management zuzuschreiben sind. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation des Ordens: welche Impulse können Sie aus dem Ansatz „Spiritualität und Management“ ziehen?
Die Situation des Ordenslebens in unseren Breitengraden befindet sich zurzeit in rasanten Umbrüchen. Schwindende Mitgliederzahlen, steigendes Durchschnittsalter, Neuorientierung des gesamten kirchlichen Lebens in der säkularen postmodernen Gesellschaft sind nur einige Stichworte, um dies zu charakterisieren. Wer heute in einer Ordensgemeinschaft Leitungsverantwortung trägt, muss sich daher eben auch mit Zahlen, Strukturen und Systemfragen auseinandersetzen. Da wir dies nicht als Profit-Unternehmen sondern als geistliche Menschen tun, stellt sich die Herausforderung des Miteinanders von Spiritualität und Management sozusagen automatisch. Konkrete Impulse könnten sein:
• Die Lektüre von Managementliteratur oder Bücher über Organisationsentwicklung sollten für jemand, der in der Kirche Leitungsverantwortung trägt, ebenso selbstverständlich sein wie die geistliche Lesung.
• Die von Jesus geforderte stetige Umkehr des Menschen, lässt sich durchaus auch auf Strukturen und Systeme übertragen.
• Für Profit-Unternehmen kann es heute manchmal wichtig sein, sich spirituelle Hilfe ins Haus zu holen. Umgekehrt könnte für kirchliche Einrichtungen und Ordensgemeinschaften gelten, Manager mit ins Boot zu holen, die auf Prozesse der Organisationsentwicklung (und nicht zuletzt auf Finanz- und Rechtsfragen) ein anderes Augenmerk haben.
„Spiritualität und Management“ ist eine zentrale Kompetenz der Kapuziner!" Wie bewerten Sie diese Aussage?
Zunächst einmal lässt mich diese Aussage stutzen und denken: Moment mal, wenn das auf einen Orden zutrifft, dann doch am ehesten auf die Benediktiner - schließlich ziehen die mit der Regula Benedicti als europäischem Kulturgut durch die Vorstände und Personalabteilungen deutscher Unternehmen, um die Verbindung von Spiritualität und Unternehmensführung deutlich zu machen. Je länger ich jedoch über den Satz nachdenke, um so mehr gelange ich zu der Erkenntnis: was für die Benedikt-Regel gilt, trifft in gleicher Weise auch auf Franziskus und seine Bewegung zu. Franz von Assisi hat im Vergleich zu Benedikt von Nursia eine ganze neue Form von Ordensleben angestoßen: von der Stabilität zur Mobilität, und das weltweit. Und er hat sogar gleich noch die Strukturen mitgeliefert: global unterwegs, regional organisiert, demokratisch verfasst und alle Leitungsaufgaben zeitlich befristet (und das im 13. Jahrhundert!). Die Benedikt-Regel und die Franziuskus-Regel könnten sich in gewisser Weise sogar gut ergänzen, auch für moderne Unternehmensfragen in heutiger Zeit. Daher, je länger ich darüber nachdenke: Ja, Spiritualität und Management gehören zumindest auch(!) zu den zentralen Kompetenzen der Kapuziner.
Welche Chancen sehen Sie für den Ansatz „Spiritualität und Management“ im Zuge der aktuellen Entwicklungen in Kirche und Orden aber auch bei Unternehmen?
Ich bin davon überzeugt, dass Kirche, Spiritualität und Management sich einiges zu sagen haben und voneinander lernen können. Wie kann das geschehen bzw. intensiviert werden?
• Wir brauchen mehr Dialogfelder zwischen den genannten Bereichen, bspw. bei Symposien, Tagungen und Workshops.
• Wir brauchen eine interdisziplinäre, auch universitäre, Auseinandersetzung zu den Themen Kirche, Spiritualität und Management.
• Wir brauchen interdisziplinäre Publikationen und nicht nur fromme Büchlein, die dem Manager sagen, dass er menschlich bleiben soll und eine innere Ausrichtung braucht.
• Wir brauchen mehr Austausch zwischen spirituellen Begleitern, Unternehmensberatern und Coaches aus den unterschiedlichsten Bereichen des wirtschaftlichen Lebens sowie der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung.
• Kirche und Orden sollten sich an den biblischen Satz erinnern: "Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes."
• Die freie Wirtschaft sollte sich den biblischen Satz: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" zu eigen machen.


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